Die Kirche in der Krise

Die Rekordzahl der Kirchenaustritte im Jahr 2018 macht es noch einmal deutlich: Immer mehr Christen wenden der Kirche den Rücken zu. Die Gründe dafür sind vielfältig und ursächlich nicht nur der Kirche zuzurechnen. Von der katholischen Kirche sind allerdings viele offensichtlich enttäuscht. Der Umgang mit den Missbrauchsfällen, immer wieder aufgeschobene Reformen, die Rolle der Frauen – all das macht es auch den bleibenden Mitgliedern zunehmend schwieriger, ihre Zugehörigkeit zu bekennen und zu begründen.


Deshalb hat sich der Pfarrgemeinderat Flingern/Düsseltal gefragt, wie er zum Zustand der Kirche stehen und ob bzw. was er dazu sagen oder machen will. Für uns ist bei der Diskussion die Idee herausgekommen, dass wir in den Gemeinden darüber informieren wollen, was es an Initiativen gibt, möglichen Reformbedarf zu formulieren, den Prozess voranzutreiben und mit zu gestalten. Jede/r möge dann selbst entscheiden, wie weit er/sie sich informieren und engagieren möchte. 


Einen neuen Reform-Anfang hat die Bischofskonferenz gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken mit dem „Synodalen Weg“ geplant. In vier Foren soll über folgende Themen debattiert werden: Macht, Partizipation und Gewaltenteilung, Sexualmoral, Priesterliche Lebensform und Frauen in Diensten und Ämtern. Einen Zwischenbericht mit Fahrplan, Themenumfang und Teilnehmerkreis soll es Mitte September geben. Der Reformprozess startet am ersten Adventssonntag 2019. Nähere Informationen dazu gibt es z.B. unter dem Stichwort „Synodaler Weg“ auf den Seiten der Deutschen Bischofskonferenz.


Bereits im Mai 2019 veröffentlichten Mitglieder des Pfarrgemeinderates Derendorf-Pempelfort einen Text, in dem sie ihrer Haltung gegenüber der aktuellen Situation der Kirche Ausdruck geben und der sicher vielen aus der Seele spricht. Diesem Text kann man sich auf der Seite https://www.kath-derendorf-pempelfort.de/Aktuelles/Neuigkeiten/Dies-ist-auch-unsere-Kirche.-Unsere-Kirche-die-wir-mitgestalten.-Weil-wir-bleiben./ mit seiner Unterschrift anschließen.


Die kfd setzt sich in einer Aktionswoche vom 25. – 29. September für eine geschlechtergerechte Kirche ein. Im Mittelpunkt steht die Forderung, Frauen wertzuschätzen, ihre Berufung ernst zu nehmen und sie gleichberechtigt an der Leitung der Kirche zu beteiligen. Geplant ist u.a. eine Unterschriftensammlung für den Zugang von Frauen zu allen Diensten und Ämtern der Kirche. Weitere Aktionen und Informationen dazu sind auf der Seite https://www.kfd-bundesverband.de zu finden.


Maria 2.0 – unter diesem Namen gründete sich im Frühjahr eine Fraueninitiative in Münster, die mittlerweile bundesweit Mitstreiterinnen gefunden hat. Die Forderungen der Initiative, in der auch Männer willkommen sind, richten sich gegen Machtstrukturen in der Kirche. Sie fordert Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern, die Aufhebung des Pflichtzölibats, eine umfassende Aufklärung von Missbrauchsfällen in der Kirche sowie eine kirchliche Sexualmoral, die sich an der Lebenswelt der Menschen ausrichtet. Der Name der Initiative wird damit begründet, dass „Maria 1.0“ für Maria als Idealbild der gehorsamen und dienenden Frau stehe. „Maria 2.0“ heißt Neuanfang – Frauen wollen mehr Mitbestimmung und Beteiligung.
Die Initiative ist im Internet unter www.mariazweipunktnull.de vertreten. Hier in Düsseldorf sind es vor allem Frauen in Garath und Gerresheim, die mit lokalen Aktionen den Forderungen Nachdruck verleihen.
Ab September wird es einen gemeinsamen Newsletter geben, für den man sich unter www.maria.4sky.de anmelden kann.


Der Pfarrgemeinderat Flingern/Düsseltal

 

 

Informationen zur MHG-Studie der Deutschen Bischofskonferenz

Ergebnisse der Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“

 

Zu dem schwierigen o.g. Thema ist bereits viel in den Medien zu lesen gewesen. Wenn Sie sich darüber hinaus weiter informieren möchten, können Sie das in den Publikationen der Deutschen Bischofskonferenz unter dem Link https://www.dbk.de/themen/sexueller-missbrauch/ oder hier tun.

 

Für Betroffene von sexuellem Missbrauch stehen im Erzbistum Köln folgende externe Ansprechpersonen zur Verfügung:


Dipl.-Psychologin Hildegard Arz, Tel.: 01520 1642234, Mail: hildegard.arz@erzbistum-koeln.de
Rechtsanwalt Hans-Jürgen Dohmen, Tel.: 01520 1642126, Mail: hans.dohmen@erzbistum-koeln.de
Dr. Emil Naumann, Tel.: 01520 1642394, Mail: emil.naumann@erzbistum-koeln.de

 

Außerdem weisen wir in diesem Zusammenhang auf die Angebote der Telefonseelsorge (Telefon: 0800 111 0 111; www.telefonseelsorge.de)
sowie die Internetseiten www.erzbistum-koeln.de/rat_und_hilfe/sexueller_missbrauch/ und www.hilfe-nach-missbrauch.de hin.

 

 

 

 

"Und führe uns nicht in Versuchung."

Vortrag von Dr. theol. Rudolf Laufen zu einer schwierigen Vaterunser-Bitte


Angestoßen durch eine Aussage von Papst Franziskus, ist die vorletzte der sieben Vaterunser-Bitten in die Diskussion geraten. Der Papst hatte gesagt, dass es sich bei dieser Formulierung um keine gute Übersetzung handele, da der gütige und liebende Gott, an den wir glauben, niemals in eine Versuchung zum Bösen führe. Aber nicht erst die kritische Äußerung des Papstes hat viele Christen nachdenklich gemacht. Schon vorher haben nicht wenige Gläubige mit dieser Bitte des Vaterunsers gehadert oder sich gar dafür entschieden, sie - zumindest im persönlichen Gebet - so nicht mehr zu beten, sondern stattdessen: „Lass uns nicht in Versuchung geraten.“ Die französische Bischofskonferenz hat sogar offiziell beschlossen, den Wortlaut in diesem Sinne zu korrigieren.


Andererseits sind viele Christen mit einer Veränderung des Vaterunsers nicht einverstanden. Man dürfe den Text nicht antasten, da er von Jesus selbst den Jüngern als grundlegendes Gebet anvertraut worden sei. Er stelle eine Herausforderung dar, und man müsse sich immer wieder darum bemühen, ihn im Sinne Jesu positiv zu verstehen. Außerdem gebe es in der Bibel viele Stellen, die schwer zugänglich seien, aber deshalb nicht einfach unserem (begrenzten) Verstehen angepasst werden dürften. Unabhängig davon, wie sich die Kirchenleitung in dieser Angelegenheit verhalten wird, sollte sich jeder Christ mit der plötzlich aktuell gewordenen Frage einmal auseinandersetzen.


Hier finden Sie den Text des Vortrags von Dr. theol. Laufen, den er am 28. Januar 2018 in der Liebfrauenkirche gehalten hat.