5. April 2026;
Liebe Gemeindemitglieder und Freundinnen und Freunde unserer Gemeinde!
Wir feiern Ostern, die Mutter aller christlichen Feste. Ostern entwickelte sich aus einer Reihe verschiedener Erfahrungen der überraschten, ja bestürzten Jüngerinnen und Jünger Jesu, die alle darauf hinausliefen: Der Gekreuzigte ist auferweckt worden.
Aus diesen Erfahrungen erwuchsen in einem ebenfalls überraschenden Prozess eine immer weiter wachsenden Zahl christlicher Gemeinden auf der ganzen Welt, der in vielen Ländern als kleines wöchentliches Ostern begangene ursprüngliche Werktag, unser heutiger Sonntag, die Praxis gottesdienstlicher Versammlungen mit dem Vorlesen aus der Heiligen Schrift Israels und dem Erzählen (später auch Vorlesen) von Worten und Taten Jesu, verbunden mit einem symbolischen Mahl, das an die Mahlpraxis des irdischen Jesus und zugleich an Begegnungen mit dem Auferstandenen beim gemeinsamen Mahl erinnerte.
Und in unzähligen Menschen entstand, auch über eine große zeitliche und räumliche Distanz hinweg, die Erfahrung einer wirklichen Nähe, einer tatsächlichen Beziehung zu der Person, dem die ursprünglichen Jünger folgten: zu Jesus, dem Christus.
Mit „Nähe“ meine ich: eine tiefe Zustimmung zu der Praxis und dem Programm der Liebe, dem Jesus sein Leben und Sterben widmete, und eine guttuende Gewissheit, persönlich von ihm angenommen, geliebt und treu begleitet zu werden.
Ostern entwickelt sich, wie das Christsein überhaupt, gerade von etwas Selbstverständlichem, eher Kulturellem zu etwas sehr Bewusstem, für das man eine wirkliche Entschiedenheit braucht:
gegen eine immer lautere und ungenierte allgemeine Rücksichtslosigkeit, gegen einen Bruch aller Regeln und Tabus, die Würde und dem Leben aller Menschen schützen, gegen das Recht des Stärkeren – für: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“!
Der zentrale österliche Gottesdienst in der Osternacht lebt von der Symbolik des Lichts. Dafür steht die nächtliche Zeit des Gottesdienstes, das Feuer, an dem er beginnt, und die Osterkerze, die in dieser Feier das erste Mal entzündet wird. Von ihr geht im Kirchraum das Licht auf die vielen Kerzen der Gläubigen über, die Lichtträger im Dunkel der Welt werden sollen. Die Osterkerzen in unseren Kirchen wurden in diesem Jahr wieder von Johannes Armborst gestaltet.
Schauen Sie, wie die farbigen Linien die Kerze einhüllen wie ein Netz. Ich sehe vor mir den Menschenfischer Jesus, der seine ersten Jünger im Fischermilieu am See Genezareth fand. Er möchte sie und uns zu Menschenfischern machen, was voraussetzt, dass wir uns zunächst von ihm fangen, also ansprechen und gewinnen lassen. Vor mir steht das Bild vom Fischfang der Jünger nachdem sie sich mit seinem Tod fast schon abgefunden hatten und in ihren Beruf als Fischer zurückgekehrt waren. Erst erfolglos, fangen Sie ein ganzes Netz voller Fische, nachdem Er sie ermutigt, den sie dann am Feuer bei Brot und Fisch erkennen.
Ich gebe aber zu, dass es auch andere Reaktionen auf die Osterkerze dieses Jahres gab: Sie erinnerte einige Betrachter an Küchenhandtücher mit einem ähnlichen schlichten roten oder blauen Netzmuster, die wohl jeder kennt. Ganz schlicht.
Eine Osterkerze ist eben ein Kunstwerk. Es vermittelt als solches durch Farbe, Form, Material, Ausschnitt und Kontext einfach einen anderen Blick auf Normales, Alltägliches, Gewohntes. Und auf einmal entdecken wir, wie groß das sein kann: das Spülen und Abtrocknen, Ausdruck von Kultur und Sorgfalt nach dem Essen, die Küche als Ort des Kochens und Spülens, der Vor- und Nachbereitung unserer Mahlzeiten. Der Schritt zu Jesus, dem Liebhaber gemeinsamer Mahlzeiten, ist nicht groß. Und da ist auch die Erfahrung, dass sich beim Feiern die besten Gespräche oft in der Küche ergeben und es dort am Nettesten ist.
Das Banale ist gar nicht banal, sondern besitzt eine verborgene Tiefe. Die Welt, vor allem jeder Mensch, ist eben nicht selbstverständlich, sondern, christlich betrachtet, ein Wunder an Sorgfalt und Handwerkskunst und Dienstbereitschaft eines großen Schöpfers mit ganz viel Liebe.
Einen solchen Blick wünsche ich Ihnen allen, gerade, wenn das Leben Sie im Moment beutelt und drückt oder Ihnen eher grau vorkommt, so gar nicht zum Feiern.
Seien Sie besonders herzlich gegrüßt und gesegnet!
Ihr Pastor Ansgar Sterinke
Nächste Kinderkatechese in der Sonntagsmesse in St. Paulus am 29. März
Am 29. März findet in der Sakristei von St. Paulus während der Sonntagsmesse um 11.15 Uhr wieder eine eigene Kinderkatechese für Kinder im Schulalter statt.
Die nächste Kinderkatechese gibt es weiterhin an jedem zweiten und vierten Sonntag im Monat (außerhalb der Schulferien).