Evangelium und Impuls zum Dreifaltigkeitssonntag

Johannes 3, 16-18
16 Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. 17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. 18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat.

 

 

Zum Weiterdenken ...


Rechtzeitig zu Pfingsten ist unsere selbst gestaltete Atemschutzmaske fertig geworden. 

Seit letzten Sonntag verschenken wir sie nun beim Einlass zu unseren Gottesdiensten. Jetzt, wo die Schutzmaßnahmen länger dauern, als wir zunächst gehofft hatten, braucht es kreative Ideen, die ermutigen und uns helfen durchzuhalten. Eine Schutzmaske beengt, macht das Atmen und das Sprechen schwerer. Zudem deckt sie einen Teil unseres Gesichtes ab, sodass wir die kleinen Regungen in der Mimik nicht mehr am Gesicht des Gegenübers ablesen können. Alles jetzt aus der Stimmlage und in dem Bereich oberhalb der Nase zu erkennen, fällt gar nicht so leicht.
Mit unserer Schäfchen-Atemschutzmaske möchten wir dem Ganzen ein wenig Farbe geben und wieder ein Stück Leichtigkeit hineinbringen: Tragen wir sie mit der Prise Humor, die in ihrer Gestaltung steckt. Inspiriert wurde das Motiv damals vom Evangelium des vierten Ostersonntags: da war von dem Vertrauensverhältnis zwischen dem Hirten und seinen Schafen die Rede als Gleichnis für das Vertrauensverhältnis zwischen Gott und Mensch. 
Dieses Vertrauen setzen wir gegen alles, was Menschen in diesen Tagen Angst macht und kurzatmig werden lässt. Die Schafe sind einander zugewandt, so wie momentan viel Energie und Ideenreichtum dafür eingesetzt wird, die negativen Folgen der Schutzmaßnahmen aufzufangen, oder zu mindestens abzumildern und einander im Blick zu behalten. 
Und es gibt ein schwarzes Schaf. Dieses Motiv lädt viele zum Schmunzeln ein, zumal das schwarze Schaf fast im Mittelpunkt steht.
Das mag verwundern: Denn eine lange Zeit galt das schwarze Schaf als Symbol für das Sorgenkind einer Familie, für den sozialen Außenseiter, oder für das Fehlverhalten eines Sünders. Heute hegen wir gegenüber dem schwarzen Schaf eher Gefühle der liebevollen Zuneigung. Das zeigt: Im Umgang mit den Andersartigen und Verschiedenen und auch im Umgang mit den Schuldiggewordenen hat der Heilige Geist bereits Großartiges in unserem Empfinden bewirkt, dass wir ihnen mit Achtung und Wertschätzung begegnen und keine Bestrebungen haben, diese auszuschließen, oder gar anzufeinden. Anknüpfend an das Evangelium vom Dreifaltigkeitssonntag kann man sagen: Weil Gott uns in seinem Sohn Jesus Christus nicht verloren gibt, geben auch wir einander nicht verloren!
Wie erschütternd sind dagegen die Berichte aus den USA, wo die tiefen Gräben des Rassismus neuerlich sichtbar werden und dieser sein menschenverachtendes und lebensfeindliches Unwesen treibt, wo Menschen mit dunkler Hautfarbe für einige mit heller Hautfarbe immer noch als Menschen zweiter Klasse gelten. Das Schwarz-Weiß-Denken, das viele schon längst überwundern glaubten, verschafft sich wieder Raum. Jetzt zeigt Präsident Donald Trump sein wahres Gesicht. Es bleibt zu hoffen, dass bei der nächsten Wahl, die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger in den USA dieses Gesicht nicht mehr sehen wollen: ein Gesicht, das für Spalten statt Einen steht, für Lüge statt Wahrheit, für Egotrip statt Vertragstreue. Dieser Mann hat nicht nur seiner Nation, sondern auch der ganzen Weltgemeinschaft viel Schaden zugefügt. 
Gott sei Dank gibt es die wunderbaren Menschen, die ihre Macht und ihren Einfluss nutzen, um sich dem zu widersetzen, die einen, statt zu spalten, die aufbauen, statt zu zerstören, die aufrichten, statt niederzudrücken, die der Wahrheit dienen möchten, und sich auch in der Krise als verlässlich erweisen. Überall braucht es Menschen mit einem großen Geist und einem weiten Herz, die ganz bei Sinnen sind und auch bei Vernunft –  die die Vielfalt lieben und die Gabe haben, darin das Verbindende zu entdecken und zu fördern, kurz, um es mit Papst Franziskus und unserem Schäfchenmotiv zu sagen: die den Stallgeruch des dreieinigen Gottes in sich aufgenommen haben. 
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag, eine geisterfüllte neue Woche und viel Freude mit der Schäfchenmaske, die auch als Protest gegen jegliche Form des Rassismus verstanden werden kann!


Benedikt Bünnagel, Pfarrvikar