Wo stehen wir eigentlich in der Corona-Situation?

1. August 2020;

An alle, die seit Beginn der Pandemie nicht mehr zu den Sonntagsgottesdiensten kommen

Ganz persönlich denke ich zum Beispiel darüber nach, ob ich im September, wie geplant, nach Mallorca fliegen soll. Ich möchte danach ungern zwei Wochen Quarantäne riskieren. Außerdem ist mir das enge Zusammensitzen im Flugzeug nicht wirklich geheuer. 

Und allgemeiner? Die schlimmen Auseinandersetzungen in Stuttgart und Frankfurt, aber auch die rücksichtslose Missachtung der Schutzregeln in der Düsseldorfer Altstadt finde ich unmöglich. Ich gebe aber zu, dass es wohl jedem zunehmend schwer fällt und irgendwie gegen die Natur geht, konsequent auf Abstand zu zu bleiben. Wir wollen und brauchen einfach Nähe. 

Und als Gemeinde, wo stehen wir da? Ehrlich gesagt, ist das Gemeindeleben fast völlig zum Erliegen gekommen. Außer den Gottesdiensten gibt es fast keine Treffpunkte mehr.  

Was die Gottesdienste betrifft: Zurzeit kommen jeden Sonntag, grob geschätzt, konstant 20% derer in die Kirche, die auch vorher immer da waren. 

Ist das viel oder wenig – ich weiß es nicht. Aber es geht mir auch nicht so sehr um sinkende Zahlen.  Mich würden die anderen 80% aus einem anderen Grund interessieren. Vielleicht gehören Sie, die Sie dies lesen, ja dazu. 

Wie geht es Ihnen, wenn Sie, nun schon seit einiger Zeit, nicht mehr an den Sonntagsgottesdiensten teilnehmen? Driften Sie da etwas weg, fehlt Ihnen etwas? Oder nicht? 

Machen Sie vielleicht gute Erfahrungen mit Fernsehgottesdiensten oder gestreamten Gottesdiensten? 

Oder haben Sie für sich selbst oder auch gemeinsam  vielleicht eine andere Form gefunden, die Nähe Gottes zu suchen, in der Bibel drin zu bleiben, zu beten – etwas, das Sie stärkt? Ein paar Möglichkeiten dazu hatten wir ja im Miteinander und im Internet angeboten.

Haben Sie dabei möglicherweise etwas Wertvolles, Neues für sich entdeckt? Ich kann mir das vorstellen, selbstverständlich ist es aber nicht.

Für mich kann ich sagen,  dass die Gottesdienste mir ein Gerüst für den Glauben geblieben. Dabei erlebe ich die Atmosphäre teilweise als sehr intensiv und dicht, selbst bei den Einschränkungen, die im Moment gelten. Vielleicht wissen Sie zum Beispiel, dass wir die Kommunion, anders als vorher, nicht vorne verteilen, sondern zu allen in der Kirche hinbringen und dann warten, bis wir alle gemeinsam kommunizieren. Das ist ein besonders schöner, dichter Moment der Gemeinschaft, den ich schätze.

Auf Dauer wird es, glaube ich, wichtig sein, dass wir eine bewusste Praxis entwickeln, die auch langfristig trägt. Allmählich wird ja immer deutlicher: Es handelt sich nicht nur um eine kurze Übergangsphase, die irgendwann einfach vorüber ist. Je länger die momentane Situation dauert, umso deutlicher stellt sich die Frage, wie wir das mit dem Gottesdienst und dem Beten und dem Leben mit der Bibel auf Dauer halten wollen. 

Es könnte tatsächlich wichtig sein, dass die Gottesdienste als Impulsgeber für den Glauben uns nicht schleichend verlorengehen. 

Das Sehen, Hören und – mindestens am Rande der Gottesdienste – das Miteinandersprechen regt den Glauben möglicherweise doch mehr an, als eine ganz zurückgezogene Praxis, auch wenn sie mir selbst vielleicht noch eine Weile reicht. 

Und es könnte wichtig sein, dass über der Frage, wie lange ich selbst als Christ auch „ohne“ leben kann, nicht die Frage verlorengeht, was wir selbst durch unsere Anwesenheit für andere bedeuten können. 

Das Versammeln als Gemeinde ist auch ein Signal nach außen, eine unausgesprochene Botschaft, die rundum wahrgenommen wird – selbst wenn Christsein und -bleiben sich vor allem im normalen Alltag entscheidet. 

Da kann es irgendwann, bald, wieder wichtig werden, dass der Weg an dem einen oder anderen Sonntag mich doch in die Kirche führt. Wie auch immer Sie das im Moment sehen, mich würde es interessieren. Sie können mir das gerne einmal mitteilen, wenn Sie möchten. Per Mail oder Telefon oder persönlich.

 

Ich wünsche Ihnen Gottes Segen!

Ihr Pastor Ansgar Steinke

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