Evangelium und Impuls

27. November 2021;

Lukas 25-28.34-36

25 Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres. 26 Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. 27 Dann wird man den Menschensohn in einer Wolke kommen sehen, mit großer Kraft und Herrlichkeit. 28 Wenn dies beginnt, dann richtet euch auf und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.

34 Nehmt euch in Acht, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euer Herz nicht beschweren und dass jener Tag euch nicht plötzlich überrascht 35 wie eine Falle; denn er wird über alle Bewohner der ganzen Erde hereinbrechen. 36 Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt!

 

Zum Weiterdenken

Normalerweise hat das Gefühl der Angst in unserem Leben eine wichtige Signalfunktion: Die Angst warnt uns vor Gefahren. Das hilft uns, rechtzeitig die entsprechenden Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Doch wenn wir uns darüber austauschen, was uns jeweils Angst macht, merken wir, wie unterschiedlich das sein kann: Manche haben Angst vor jeder Veränderung. Andere dagegen fürchten den Stillstand und stürzen sich deshalb lieber in immer neue Abendteuer. Manche haben Angst vor dem Alleinsein, während andere Menschenansammlungen fürchten. Was uns Angst macht, hat also auch sehr viel mit unserer Prägung und Persönlichkeit zu tun, und mit unserer Lebenseinstellung. So kommt es, dass nicht jedem Gefühl der Angst auch wirklich eine Gefahr zugrunde liegt. Es ist eine Lebensaufgabe, solche Ängste aufzudecken, die uns eine Gefahr vorgaukeln, wo keine lauert. Es gibt Leute, die nutzen unsere Ängste, um uns zu beeinflussen, oder gar Macht über uns zu gewinnen. Wenn Angst sich verselbständigt, dann schützt sie uns nicht mehr, sondern wirkt eher lähmend und hält uns gefangen. „Die Menschen werden vor Angst vergehen“, heißt es dazu im Evangelium. 

Es beschreibt aber auch eine andere Bewegung: Während die Einen vor Angst vergehen, richten die Anderen sich auf und erheben ihr Haupt. Obwohl sie in den gleichen äußeren Umständen leben, gibt etwas ihnen die Kraft, sich dem Zugriff einer übermächtigen Angst zu entziehen. Es sind diejenigen, die die Hoffnung in ihren Herzen nicht begraben haben und zeitlebens auf die Erlösung warten. Als Heilmittel gegen die Angst verkündet die Bibel das Gottvertrauen. Gott möchte angstfreie Räume entstehen lassen, in denen wir aufatmen können und uns einen klaren Kopf und ein waches Herz bewahren. Schon mit der Menschwerdung des Gottessohnes, die wir an Weihnachten feiern, verbindet die Bibel den Zuspruch der Engel: „Fürchtet euch nicht!“ Das ist ein Zuspruch, der sich wie ein roter Faden durch das Leben dieses Menschensohnes zieht und erlösend wirkt. Der Glaube an ihn vermag die Lebenseinstellung und Weltanschauung entscheidend zu verändern. Der frühere Bischof von Limburg, Franz Kamphaus, hat dazu einmal gesagt: „Wer Gott nicht im Rücken hat, dem sitzt die Angst im Nacken.“ Nicht in den Lebensumständen unterscheiden wir Christen uns von unseren Mitmenschen, sondern bestenfalls in der Art und Weise, wie wir mit ihnen umgehen.

Der Advent erinnert uns daran, dass unser Leben ausgespannt ist zwischen der Menschwerdung des Gottessohnes, die an Weihnachten geschah, und der Wiederkunft des Menschensohnes, die sich einmal an unserem Lebensende vollenden wird, die aber mit seiner Auferstehung bereits begonnen hat: Täglich neu möchte er in unserem Leben zu Gast sein. Der Advent steckt darum voller Verheißungen. Sie wollen die Hoffnung beleben und das Gottvertrauen stärken, um uns neuerlich auf das große Ziel unseres Lebens aus- und aufzurichten. Manche halten die Spannung zwischen der Wirklichkeit, wie sie heute ist, und dem ersehnten großen Ziel nicht aus. In ihrer Sehnsucht fehlt ihnen die Durchhaltekraft für das Sehnen und am Ende verlieren sie sich in der Sucht. So warnt das Evangelium vor Rausch und Trunkenheit und vor den Fallstricken alles beherrschender Alltagssorgen. Davor möchte es bewahren. Statt die Sinne zu betäuben, gilt es sie zu schärfen. So üben wir uns in der Wachsamkeit, um uns von den Angstmachern zu lösen. Denn Gott lehrt uns den aufrechten Gang: „Wenn dies beginnt, dann richtet euch auf und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.“

 

Benedikt Bünnagel

   

 

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