Evangelium und Impuls

15. Januar 2021;

Johannes 1, 35-42

35 Am Tag darauf stand Johannes wieder dort und zwei seiner Jünger standen bei ihm. 36 Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes!

37 Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus. 38 Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, sagte er zu ihnen: Was sucht ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi - das heißt übersetzt: Meister -, wo wohnst du? 39 Er sagte zu ihnen: Kommt und seht! Da kamen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde.

40 Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren. 41 Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden - das heißt übersetzt: Christus. 42 Er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du sollst Kephas heißen, das bedeutet: Petrus, Fels.

 

  

Impuls zum Evangelium

Haben Sie schon einmal etwas von dem LLAL-Prinzip gehört? Ich ehrlich gesagt, in dieser Ausdrucksweise auch nicht, aber mir war es schon lange bewusst. „Live Like A Local“ besagt, wenn du ein fremdes Land wirklich kennenlernen willst, musst du mit den Einheimischen leben, alles andere ist oberflächlicher Schein und nur mit einem Urlaub erfährt man nicht viel über die Mentalität der Menschen, wie sie denken, leben, arbeiten, fühlen. 

Eine Reisebloggerin, Conni, beschreibt das so: 

„Der coolste, beste und einfachste Weg in ein Land richtig einzusteigen, ist der Kontakt zu Locals (Einheimischen). Je mehr du dich mit ihnen auseinandersetzt, desto intensiver verstehst du ihre Denkweise, ihr Leben. Und zwar über die Transaktionskommunikation hinaus – geh auf Locals zu und hab richtige Gespräche.“

Eigentlich bräuchte ich jetzt gar nichts mehr zum Evangelium zu schreiben, denn Conni hat es in ihrer Sprache schon zusammengefasst. 

Die zwei Jünger, von denen hier berichtet wird, haben nämlich genau das gemacht. Sie hören von Johannes dem Täufer eine Aussage über Jesus, aber bleiben nicht bei dem Gehörten stehen, sondern wollen dem viel tiefer auf den Grund gehen und stellen daher eigentlich genau die richtige Frage. Nicht: „Wer bist Du? Erzähl uns doch was von dir!“, sondern: „Meister, wo wohnst du?“ und Jesus versteht. „Kommt und seht!“ ist seine Einladung an die beiden.

Man kann sagen, sie haben den einfachsten und besten Weg gewählt, Jesus intensiver kennenzulernen und dass, was sie mit ihm erlebt haben, scheint sie dermaßen beeindruckt zu haben, dass der eine von ihnen schon am nächsten Tag seinem Bruder berichten kann „Wir haben den Messias gefunden“.

Wir können heutzutage Unmengen von Bücher über Jesus lesen, uns informieren, historisch oder theologisch versuchen ihn zu verstehen, aber können wir ihn so kennenlernen wie die beiden Jünger damals? Oder muss für uns ein Kennenlernen immer oberflächlich bleiben?

Nein, ich denke, auch wir können Jesus tiefer kennenlernen. 

Vielleicht versuchen wir es anders herum. Nehmen wir Jesus mit in unser Leben, lassen wir ihn an unserem Alltag teilhaben, erleben wir die Dinge gemeinsam mit ihm. 

Wenn ich an einer roten Ampel stehe und es eilig habe oder der Andere mich nervt, weil er im Geschäft nicht genug Abstand hält, ich mich über etwas freue, an all dem kann ich Jesus teilhaben lassen, kann versuchen, es mit seinem Blick anzuschauen oder es mit ihm zu teilen. Meine Erfahrung ist häufig, dass mein Blick sich plötzlich wandelt, dass ich beginne anders über einen Menschen zu denken, weil ich ihn mit anderen Augen anschaue oder dass ich mit einer Sache gelassener umgehe, aber auch, dass meine Dankbarkeit wächst.

Ich kann vielleicht nicht mehr an einem Tag Jesu teilhaben, aber er kann an meinem Tag teilhaben. Das Resultat kann aber das gleiche sein. 

 

Franziska Rölle, Gemeindeassistentin

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