Evangelium und Impuls

11. Juni 2021;

Markus 4,26-34

26 Er sagte: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät;

27 dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst und der Mann weiß nicht, wie. 28 Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre. 29 Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.

30 Er sagte: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben? 31 Es gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät. 32 Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, sodass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.

33 Durch viele solche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort, so wie sie es aufnehmen konnten. 34 Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen; seinen Jüngern aber erklärte er alles, wenn er mit ihnen allein war.

 

  

Zum Weiterdenken

„Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Dieses Zitat des Modedesigners Karl Lagerfeld hat sich in vielen Köpfen festgesetzt. Es geht dabei nicht nur um eine Frage des guten Geschmacks, sondern auch um Kontrollverlust. Für viele erscheint es unheimlich, die Kontrolle zu verlieren. Was vermeiden sie nicht alles aus Angst davor. Und tatsächlich ist der Kontrollverlust im Zusammenhang mit einer Suchterkrankung geradezu lebensbedrohlich. Auch in Momenten der Enttäuschung lehrt uns die Lebenserfahrung: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ In Corona-Zeiten mussten wir miterleben, wie sich in jeder Kontrolllücke sofort kriminelle Energie breitmachte: Da wurden Masken zu überhöhten Preisen verkauft, mit gefälschten Anträgen Überbrückungsgelder erschlichen und zuletzt noch Schnelltests abgerechnet, die gar nicht stattgefunden haben. „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ Auch Selbstverpflichtungserklärungen nutzen nur so weit, wie die Integrität der betreffenden Personen reicht. Wer ein Gesetz erlässt, ist darum gut beraten, direkt mit zu entscheiden, wie dies zu kontrollieren ist bei denen, die nur darauf aus sind, es zu umgehen, bzw. es für eigene Zwecke zu missbrauchen. Zusammengefasst gilt Kontrollverlust oft als Schwäche. 

In den Gleichnissen Jesu im Sonntagsevangelium ist das anders: Da ist einer, der auf Kontrolle verzichtet und die Wachstumsprozesse ihrer eigenen Dynamik überlässt in dem Vertrauen darauf, dass es gut sein wird. Mit Kontrolle funktioniert das Reich Gottes offensichtlich nicht, sondern nur mit Vertrauen. Im Glauben bekommen wir es mit den Lebensbereichen zu tun, die wir nicht im Griff haben. Kontrolle würde das Ganze im Keim ersticken. 

Wachstumsprozesse sind langsam, leise und unauffällig. Oft geschehen sie erst im Verborgenen, bevor Sichtbares zum Vorschein kommt. Was Gott in der Tiefe unserer Seele sät – es genügt unser Zulassen, dass es sich entfalten kann. Es braucht die Geduld zum Wachsen-Lassen, ehrfürchtiges Staunen vor dem, was sich zeigt und viel Zeit, bis unsere Sehnsucht Früchte trägt. Wer in der Landwirtschaft arbeitet, oder gerne gärtnert, hat sich dieses Gespür für organische Wachstumsprozesse bewahrt. Das ist nichts für Kontrollfreaks. So vertraut auch Jesus Christus darauf, dass seine Saat aufgehen, aufblühen und Frucht bringen wird. Wie sehr er doch Recht behalten hat! Das Reich Gottes wächst unaufhaltsam, oft nicht in den engen Bahnen, die kirchlichen Kontrollfreaks definieren, sondern weit darüber hinaus. Wo Altes vergeht, wird Neues entstehen. Was unter Kontrolle verkümmert, lässt Vertrauen (neu) wachsen. Und wer hätte das gedacht: Inzwischen wurden Jogginghosen mit Style entwickelt, mit denen man sich auch in guter Gesellschaft sehen lassen kann. Da zeigt sich Kreativität statt Kontrollverlust.  

Im Vertrauen auf die göttliche Schöpferkraft, die allem innewohnt, wünsche ich Ihnen ein weites Herz und einen wachen Blick für die Wachstumsprozesse Ihres Lebens, die Zeit brauchen und Geduld.

Benedikt Bünnagel

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