Evangelium und Impuls

17. September 2021;

Markus, 9,30-37

30 Sie gingen von dort weg und zogen durch Galiläa. Er wollte aber nicht, dass jemand davon erfuhr; 31 denn er belehrte seine Jünger und sagte zu ihnen: Der Menschensohn wird in die Hände von Menschen ausgeliefert und sie werden ihn töten; doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen. 32 Aber sie verstanden das Wort nicht, fürchteten sich jedoch, ihn zu fragen. 33 Sie kamen nach Kafarnaum. Als er dann im Haus war, fragte er sie: Worüber habt ihr auf dem Weg gesprochen? 34 Sie schwiegen, denn sie hatten auf dem Weg miteinander darüber gesprochen, wer der Größte sei.

35 Da setzte er sich, rief die Zwölf und sagte zu ihnen: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein. 36 Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen: 37 Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.

 

  

Zum Weiterdenken

Fortdauerndes Unverständnis, etwas nicht hören wollen, Rangstreitigkeiten. 

Zunächst klingt das, was wir an Verhaltensweisen der Jünger im Evangelium lesen eher wie Szenen aus unserem Alltag. Wer kennt es nicht, wenn uns etwas gesagt wird, das wir einfach nicht hören wollen, weil es unbequem, unverständlich ist. Ganz besonders, wenn es um das Thema Leid geht. Auch Fragen nach dem, wer der Größte ist; das sind Szenen, die wir aus dem beruflichen Alltag kennen, vielleicht auch aus unserem Gemeindeleben. Wenn nicht miteinander gearbeitet wird, sondern so, dass man sich um seiner selbst willen profiliert. 

Von diesen Szenen, lesen wir im heutigen Evangelium. Und Jesus stellt – wie so oft– unsere Sicht- und Denkweisen, unsere Maßstäbe bewusst auf den Kopf.

Jesus kündigt zum zweiten Mal seinen Leidensweg und Tod an, freilich mit eschatologischem Ausgang. Unerhört, unverstanden bleibt dies in den Ohren der Jünger. Jedoch nachvollziehbar! So mögen wir uns bisweilen fragen: Warum musste Jesus diesen leidvollen Weg gehen? Was ist das für ein Gott, der seinen eigenen Sohn diesem Leiden aussetzt? Die Frage nach dem Warum scheint hier nicht weiterführend. Jesus selbst gibt den Hinweis, dass es nicht um das „warum“ geht, sondern um das „ wozu“, indem er auf das Eschatologische, die Auferstehung hindeutet. Diese Nuance bleibt ungehört bei den Jüngern. Sieht so wahre Nachfolge aus? Hinterhergehen aber gelichzeitig die Ohren verschließen? Sich nicht wirklich einlassen wollen auf das, was in der Nachfolge an uns herantritt? Es klingt das Thema an, um das es eigentlich geht. Dienen als Haltung der Nachfolge Christi und Jesu Dienst an uns als Vorbild. Jesu Leidensweg war Dienst, Hingabe zu unserem Heil. Ganz im Vertrauen, dass es bei diesem Leiden nicht stehen bleiben wird. 

Auf Jesu Weg nach Kafarnaum haben die nachfolgenden Jünger nichts Besseres zu tun, als sich darum zu streiten, wer unter ihnen der Größte sei. 

Jesus merkt dies, unterbricht die Jünger zunächst aber nicht. Stattdessen fragt er sie in Kafarnaum angekommen, über was sie gesprochen haben – obwohl er dies doch bereits weiß. Die Jünger scheinen zumindest zu ahnen, dass ihr Gespräch nicht schicklich war und antworten nicht. Wissen sie vielleicht bereits jetzt, dass ihre Streitigkeiten voll von unangebrachten Eitelkeiten war? Jesus beendet den Streit der Jünger mit den Worten: „Wenn jemand der Erste sein will, werde er der Letzte von allen und der Diener von allen“. 

Wer groß sein will, der lasse sich in den Dienst nehmen. Darin besteht wahre Größe des Christseins. Das ist es, was Jesus seinen Jüngern versucht deutlich zu machen. Dabei belässt er es nicht nur bei der Belehrung, die schon fast einem „Gemeindekatechismus“ in dem Sinn nahekommt, als dass er aufzeigt, wie wir Zusammenleben in der Gemeinde gestalten und leben können. Jesus konkretisiert diesen Dienst weiter. Ein Kind stellt er in die Mitte und umarmt es. Eine Umarmung ist ein Zeichen von liebvoller Nähe, heilsamer Zuwendung. Wir kennen die wohltuende Wirkung einer Umarmung von Kindesalter an. Wahre Größe macht den aus, der anderen in liebevoller Zuwendung dient. Und Jesus geht noch ein Stück weiter und zeigt auf, an wem dieser Dienst ganz besonders zu verrichten ist. Jesus stellt ein Kind in die Mitte: „Wer eines von diesen Kindern in meinem Namen aufnimmt, nimmt mich auf. Und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.“ Das Kind wird zur Stellvertretung der Geringsten und Kleinsten; in unserer Gemeinde, in unserem konkreten Alltag. 

Jesus macht die Solidarität mit den Geringsten am Umgang mit diesem Kind deutlich. Um „seines Namens Willen“, weil er sich mit den Geringsten solidarisch zeigt, sollen wir es ihm gleichtun. Dann ist der Dienst auch Dienst an Jesus und an dem, der ihn gesandt hat. Der Dienst an den Menschen, ganz besonders der Geringsten und Kleinen, ist untrennbar verknüpft mit der liebenden Haltung und dem Dienst an Gott selbst und ist damit „Gottesdienst“ .

 

Andrea Kühn, Gemeindeassistentin

 

 

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