Evangelium und Impuls

29. Oktober 2020;

 

Matthäus 5, 1-12a

1 Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf den Berg. Er setzte sich und seine Jünger traten zu ihm. 2 Und er öffnete seinen Mund, er lehrte sie und sprach:

3 Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.

4 Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.

5 Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben.

6 Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden.

7 Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.

8 Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen.

9 Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.

10 Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das Himmelreich.

11 Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen.

12 Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.

  

Impuls zum Evangelium

„Allerheiligen“…. Ein Begriff, der in unserer Zeit schon sehr in Vergessenheit geraten ist. Wenn wir die (nicht nur) jungen Menschen danach fragen, wird uns wahrscheinlich großes Erstaunen entgegenbracht werden und der freie Schul- und Arbeitstag wird eher in Verbindung zu Halloween gesehen, das, wenn auch erst seit einigen Jahren zu uns aus Amerika hinübergeschwappt, um einiges präsenter in den Köpfen ist. Einige gehen sicher auch noch auf den Friedhof, um an die Verstorbenen zu denken. Was aber feiern wir da eigentlich genau? Wie der Name schon sagt, feiern wir „alle Heiligen“. 

Brauchen wir ein solches Fest überhaupt noch in unserer Zeit? Erscheint es nicht sehr altbacken, sich solche frommen Figuren, die mit verklärtem Ausdruck in unseren Kirchen stehen, zum Vorbild zu nehmen? 

Meiner Eltern hatten in meiner Kindheit noch ein altes „Heiligenlexikon“. In meiner Erinnerung erscheint es mir als ein extrem großes Buch, das etwas schwierig zu lesen war, allein schon aufgrund seiner Größe. Irgendwie hatten diese zahlreichen Heiligen alle gemeinsam, dass sie unheimlich tugendhaft, über allem stehend und vor allem aber etwas langweilig waren, nämlich so still und demütig alles ertragend. Mir wurde da klar, dass ich wohl nie heilig werden könnte und auch nicht werden möchte. 

Wenn wir Heiligkeit so interpretieren, wie es lange der alte Volksglaube tat, haben wir die Heiligkeit, die Jesus meint, nicht richtig verstanden. 

Was bedeutet also „heilig sein“? Wir könnten zunächst verschiedene Herangehensweisen nutzen, um uns dem Begriff anzunähern: In der deutschen Sprache stammt der Begriff von „heil“ ab, im Sinne von „ganz“ (Heilung, heil machen) und weist auf Vollkommenheit hin. Die griechische Entsprechung für “ Heilig” lautet “hagios”. Die Kernbedeutung ist „andersartig“. Mit Vollkommenheit hat der Begriff nichts zu tun. Die hebräische Entsprechung ist „quadisch“, was „abgesondert“ bedeutet. Dies galt besonders für die alltäglichen Geräte, die für den Gottesdienst herausgenommen wurden und Gott selbst hat sie geheiligt.

Und was sagt uns Jesus? Im Evangelium ruft er aus: „Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich“. Arm sein von… etwas vorweisen zu können?

Diese Armut empfinde ich als Mut – den Mut, zu fallen und doch wieder aufzustehen, sich auf nichts berufen zu können, was einen besonders herausragen lässt; den Mut zu vertrauen - in die Stärke eines ganz anderen, der mich heiligt und mich nicht zwingt, etwas vorzuweisen oder mich selbst heiligen zu müssen. 

Wenn wir die Heiligen von ihren Podesten herunterholen, auf die sie die Menschen gestellt haben, werden wir sehen, dass es eigentlich Menschen sind wie du und ich und ihnen diese Podeste wahrscheinlich auch gar nicht gefallen, eher das Gegenteil. 

Letztendlich ist es das, was wir an Allerheiligen feiern: alle die Menschen, die ihr Leben in Vertrauen auf Gott gelebt haben, ohne auf irgendein Podest gestellt worden zu sein. Menschen, wie du und ich.

 

Gemeindeassistentin Franziska Rölle

  

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