Evangelium und Impuls

7. August 2020;

Matthäus 14, 22-33

22 Gleich darauf drängte er die Jünger, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken. 23 Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um für sich allein zu beten. Als es Abend wurde, war er allein dort.

24 Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind. 25 In der vierten Nachtwache kam er zu ihnen; er ging auf dem See. 26 Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst. 27 Doch sogleich sprach Jesus zu ihnen und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!

28 Petrus erwiderte ihm und sagte: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme! 29 Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und kam über das Wasser zu Jesus. 30 Als er aber den heftigen Wind bemerkte, bekam er Angst. Und als er begann unterzugehen, schrie er: Herr, rette mich! 31 Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?

32 Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind.

33 Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, Gottes Sohn bist du.

  

Impuls zum Evangelium

Nein, ich will Ihnen nicht zu nahe treten. Das Evangelium von diesem Sonntag legt mir aber nahe, Sie heute so anzureden:

 

Liebe Kleingläubige,

und ich hoffe jetzt, dass ich da wirklich niemandem zu nahe treten! Gewohnt sind wir schließlich, dass wir als Gläubige bezeichnet werden. Wir glauben schließlich und sprechen sonntags im Gottesdienst unser Glaubensbekenntnis. Und wir glauben ja auch, dass die Welt von Gott geschaffen wurde, dass Jesus Christus Mensch geworden und dass er auferstanden ist. Wir sind gläubige Menschen - zumindest nach unseren Maßstäben.

Allerdings: Wenn ich da das Evangelium von diesem Sonntag ernst nehme, dann bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob unsere Maßstäbe auch die Maßstäbe von Jesus sind. 

Im Evangelium ist Petrus nachts im Boot auf dem stürmischen See unterwegs. Jesus kommt zu Fuß über den See zu den Jüngern im Boot und sagt zu Petrus: „Komm zu mir.“ Petrus läuft los, bekommt es dann aber mit der Angst zu tun und droht unterzugehen. Jesus streckt Petrus sofort die rettende Hand aus und sagt: „Du Kleingläubiger, warum hast Du gezweifelt?“

Für uns ist Petrus eine der ganz großen Gestalten unseres Glaubens, ein Vorbild im Glauben. Der, der als Erster ein richtiges Glaubensbekenntnis abgelegt hat, der gesagt hat: "Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!" 

Großartig, nach unseren Maßstäben.

Für Jesus aber scheint das alles so viel gar nicht zu sein. „Du Kleingläubiger, warum hast Du gezweifelt?“

Das, was Jesus sich von uns Menschen offenbar wünscht, das scheint noch einmal etwas ganz Anderes zu sein. Jesus sagt: "Vertrau mir, glaube mir! Glaube mir, dass ich da bin, immer, auch wenn du mich brauchst, dass ich dich nicht untergehen und nie im Stich lassen werde. Hab' keine Angst, lass' dich durch nichts verwirren und durcheinanderbringen, auch nicht durch Dinge und Zeiten, die du nicht verstehst, und wo nicht klar ist, wie das ausgeht und wie genau es weitergeht. 

Glaube mir, vertraue mir, am Ende wird alles gut.“

Petrus und die anderen Jünger im Boot haben diesen Glauben, dieses Vertrauen so nicht gehabt. Und mit Blick auf stürmische Ereignisse und alltägliche Situationen in meinem Leben kenne ich das auch bei mir, dass ich ein Kleingläubiger bin. „Du Kleingläubiger, warum hast Du solche Angst?“

Da tut es mir gut, dass ich das heutige Evangelium kenne. Mit Blick auf Petrus und die Jünger im Boot weiß ich: Gott hat keine Angst, sich mit Kleingläubigen zu umgeben. Den Petrus hat er erst mal an der Hand gepackt, bevor er enttäuscht zu ihm sagt: „Du Kleingläubiger.“ Gott scheint die Kleingläubigen zu mögen.

Und vielleicht gibt es ja auch gar keine anderen. Vielleicht muss jeder von uns das richtige Vertrauen in diesen Gott ein ganzes Leben lang immer neu lernen und sich den Glauben dann letztlich sogar noch schenken lassen. Gott sei Dank, dass es das Evangelium von diesem Sonntag gibt. Denn der Kleinglaube des Petrus hilft mir, an meinem eigenen kleinen Glauben nicht zu verzweifeln. Er hilft mir, mit Petrus ganz einfach beten zu können: „Du, Herr, ja, ein kleines bisschen glaube ich schon. Hilf Du jetzt meinem Unglauben! Hilf Du meinem kleinen Glauben!“

 

Klaus Kehrbusch, Diakon

 

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